Der Arbeitskreis Wachau - 45 Jahre für die Wachau

Dürnstein © photography.pfeffel.at

Am Anfang stand eine Bürgerinitiative

Schon 1971 formierte sich in der Wachau Widerstand gegen Pläne, auch in der Wachau ein Donau-Laufkraftwerk errichten zu wollen. Die favorisierte Lösung sah einen Durchstich in der Rührsdorfer Au vor, direkt einsehbar von Stift Dürnstein aus. Wäre dieses Vorhaben umgesetzt worden, wäre etwa Weißenkirchen hinter einem 6 m hohen Damm verschwunden. Der Verein "Arbeitskreis zum Schutz der Wachau" wurde dann im Jahre 1972 von Vertretern der Wachaugemeinden, von Personen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur, sowie von Bürgern und Freunden der Wachau ins Leben gerufen. Nach der Gründungsversammlung stand eine Öffentlichkeitsaktion in der Wiener Innenstadt, bei der auf Anhieb fast 5.000 Unterschriften gegen die Kraftwerkspläne gesammelt wurden. Vorrangiges Augenmerk des Arbeitskreises war damals die akute Bedrohung dieser einmaligen Donaulandschaft. Ziel war es, die Wachau in jener Form zu bewahren, die ihre Entwicklung über die Jahrhunderte hervorgebracht hat - eine lebendige Weinbaulandschaft an einem frei fließenden Strom. Der Kampf gegen das Donaukraftwerk und damit gegen die unwiederbringliche Zerstörung der Landschaft dauerte mehr als ein Jahrzehnt. Erst 1983 wurde endgültig klar, dass die Staustufe in der Wachau nicht mehr gebaut werden sollte. In den Jahren des langen und zähen Ringens sammelte der Arbeitskreis zum Schutz der Wachau insgesamt mehr als 67.000 Unterschriften aus der ganzen Welt gegen das geplante Donaukraftwerk.

Die Gründer

Die maßgeblichen Triebkräfte der Bewegung waren über fast 20 Jahre die Ehrenvorsitzenden und Urgesteine der Region, Franz Hirtzberger (1923-2007) und ÖR Josef Jamek (1919-2011). Beide wurden in Würdigung ihrer unschätzbaren Verdienste für die Wachau zu Ehrenvorsitzenden des Arbeitskreises gewählt und im Jahr 1993 durch Bundeskanzler Dr. Franz Vranitzky mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet. Eine Besonderheit des Arbeitskreises Wachau war es stets, sich zur Unterstützung seiner Anliegen nach außen zu wenden und all jenen eine offene Tür anzubieten, die bereit waren, die Leidenschaft für diese besondere Landschaft mit den Einheimischen zu teilen. Wesentliche Unterstützung kam von unserem Ehrenmitglied Em.Univ.Prof. DI DDr. Herbert Grubinger, einem österreichischen Wissenschafter, der an der ETH Zürich Wasserbau unterrichtete und von fachlicher Seite den Kampf der Wachau gegen das Donaukraftwerk maßgeblich prägte. Seine unentgeltlichen Expertisen ermöglichten es, den Argumenten der Kraftwerksbetreiber auf der gleichen fachlichen Ebene entgegen zu treten. Vieles von dem, was Prof. Grubinger in der damaligen Diskussion vorschlug, ist zwischenzeitig Konsens. Zwei weitere wichtige Mitglieder der Bewegung waren der Journalist und langjährige Pressechef des Bundespräsidenten, Sektionschef Dr. Kurt Skalnik (1925-1997), und der Physiker und Mitbegründer der österreichischen Umweltbewegung, Univ.Prof. Dr. Engelbert Broda (1910-1983). Beide leisteten durch ihre ausgezeichneten Kontakte vor allem zu Mitgliedern der damaligen Bundesregierungen und durch ihre persönliche Integrität ausgesprochen wichtige Beiträge zur Erreichung der Ziele.

Kein Kraftwerk, kein Transit

In den achtziger Jahren konnte der Arbeitskreis zum Schutz der Wachau noch einen weiteren bemerkenswerten Erfolg verbuchen. Der ständig wachsende Schwerverkehr auf der Straße machte auch vor der Wachau nicht Halt. Ganz im Gegenteil wurde die gut ausgebaute Bundesstraße 3 immer mehr von LKWs genutzt, die die direkte Verbindung von Krems zur Westautobahn nutzten. Insbesondere auf Initiative von ÖR Josef Jamek erreichte die Wachau schon 1985 - als erste Tallandschaft Österreichs - eine Beschränkung des Durchzugsschwerverkehrs. Seit damals ist der Transit in den meisten Abschnitten des Tales ausgesperrt. Erlaubt sind lediglich Ziel- und Quellfahrten zu und von Zielen in der Wachau sowie in jenen Regionen des Südlichen Waldviertels, die nur durch die Wachau auf sinnvolle Weise zu erreichen sind. Erst 2004 wurde dieses Verbot – aufgrund der Erfahrungen mit der LKW-Maut auf Österreichs Autobahnen – neuerlich verschärft.

Trockensteinermauern © Michael Schimek
Trockensteinermauern sind charakteristisch für die Kulturlandschaft der Wachau © Michael Schimek

Weltweite Anerkennung und lokale Mitbestimmung

Schon von Anfang an war klar, dass die Wachau die erzielten Erfolge nur mit internationaler Unterstützung dauerhaft absichern kann. Daher setzte der Arbeitskreis auch nach der Übergabe des Vorsitzes an Dr. Hannes Hirtzberger 1991 seine Anstrengungen fort. Eine erste Krönung erfuhr die Tätigkeit des Vereines schließlich 1994 – nach fast 20-jährigen Anstrengungen – mit der Verleihung des Europäischen Naturschutzdiploms des Europarates für die Wachau. Der Arbeitskreis wurde von der Niederösterreichischen Landesregierung beauftragt, die Betreuung des Schutzgebietes vor Ort wahrzunehmen. Die sich daraus ergebende Verantwortung führte zur Einbeziehung der Wachaugemeinden in die weitere Arbeit. Seit 1994 sind alle Gemeinden der Wachau Mitglieder des Arbeitskreises, was die Möglichkeit der Mitbestimmung und den direkten Informationsfluss gewährleistet. Zudem legten die Gemeinden durch ihren Beitritt ein Bekenntnis zu den in den Statuten des Vereins festgelegten Zielen ab:

  • Erhaltung der Wachau in der seit Jahrhunderten bewahrten Form
  • Sicherstellung der Pflege des Landschaftsbildes
  • Stärkung dieser Ziele im Bewusstsein der einheimischen Bevölkerung und bei unseren Gästen.

In den Jahren seither entwickelte sich der Arbeitskreis zum Schutz der Wachau zu einer gemeinsamen Plattform der Wachaugemeinden, auf der überörtliche Anliegen erörtert werden. Ein zweiter Meilenstein ist die Eintragung der Kulturlandschaft Wachau in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes im Jahr 2000. Die Wachau ist damit auf höchster Ebene als schutzwürdiges Erbe der Menschheit und von universellem Interesse eingestuft. Nunmehr ist der Schutz der Wachau bei großtechnischen und sonstigen substantiellen Eingriffen Sache der internationalen Staatengemeinschaft.

Vom Schutz- zum Entwicklungsgedanken

Die Rolle des Arbeitskreises hat sich seit seiner Gründung gewandelt. Stand am Beginn der Arbeit die Abwehr von unerwünschten Entwicklungen im Vordergrund, verlagerte sich die Tätigkeit des Arbeitskreises immer mehr in Richtung einer aktiven Triebkraft für die Entwicklung der Region. Neben der Bewahrung der Landschaft und der Pflege des Bewusstseins um die Besonderheiten des Kultur- und Naturraumes bilden nunmehr die Entwicklung gemeinsamer Ziele und deren Umsetzung einen neuen Schwerpunkt. Um diese Zäsur zu signalisieren, gleichzeitig aber auch Kontinuität deutlich zu machen, wurde der Vereinsname 2001 auf Arbeitskreis Wachau geändert. Außerdem wurde der Vorstand wesentlich verbreitert. Neben Vertretern aller Gemeinden und der Stifte Melk und Göttweig bilden auch Repräsentanten der zentralen Anliegen der Wachau die Plattform für Diskussion und Realisierung gemeinsamer Anliegen. Seit damals bemüht sich der Arbeitskreis Wachau auch aktiv um die Ausstattung mit entsprechenden finanziellen Mitteln für die Umsetzung seiner Ziele. Seit 2002 ist die Wachau Teil einer Leader-Region und profitiert von den Fördermöglichkeiten durch europäische Gelder, die national vervielfacht werden. Eine Wiederbewerbung bis 2020 läuft gerade. Seit 2003 setzt der Arbeitskreis in Kooperation mit vielen regionalen Partnern außerdem einen Schwerpunkt im Naturschutz. 2015 startete das inzwischen dritte große LIFE Natur-Projekt.

Welterbezentrum Stein - Anlaufstelle für Besucher © Anna Lun

Motor der regionalen Entwicklung

Nach der erfolgreichen Wiederbewerbung als Leader-Region ab 2007, diesmal mit der Stadt Krems als Vollmitglied und fünf weiteren Gemeinden aus der Kleinregion Dunkelsteinerwald als Partner, ging die regionale Zusammenarbeit einen bedeutenden Schritt weiter. Die Arbeit am strategischen Programm Wachau 2010 plus bedeutete eine neue Dimension in der regionalen Zusammenarbeit. Mit großzügiger Unterstützung des Landes Niederösterreich wurden unter Zuhilfenahme einer Reihe von Finanzierungsinstrumenten bis dato nur geringfügig bearbeitete Themenfelder, wie Kunst und Kultur, Verkehrssystem oder erneuerbare Energie, intensiv und nachhaltig angegangen. Insgesamt wurden seit 2002 ca. 56 Mio. Euro aus nationalen und europäischen Fördermitteln in die Region geholt. Die Betreuung dieser Arbeit erfolgt vom Wachaubüro in Schloss Spitz aus, in dem derzeit fünf Angestellte mit der Umsetzung dieser Projekte sowie der Arbeit für die Europadiplom- und Welterberegion Wachau.beschäftigt sind. Nach Mag. Barbara Schwarz (2007-2011) leitet seit 2011 Dr. Andreas Nunzer als Vorsitzender die Geschicke des Arbeitskreises.

Herausforderungen bleiben

Neben der Projektarbeit bleiben noch genug Herausforderungen für den Arbeitskreis Wachau, sich auch in altbewährter Form als Interessensvereinigung der Wachaugemeinden und ihrer Bewohner zu betätigen. Als Folge der Hochwässer 2002 und 2013 haben alle Donauanrainergemeinden Pläne für einen nachhaltigen Hochwasserschutz erarbeitet. Der Arbeitskreis Wachau kümmert sich um die regionale Abstimmung der Pläne und um eine entsprechende Begutachtung aus Sicht des Landschaftsbildes und des UNESCO-Welterbes. Hinsichtlich der Möglichkeiten zur Erhaltung der Weinbau-Kulturlandschaft beteiligt sich der Arbeitskreis Wachau seit 2010 am internationalen Netzwerk "ViTour", dem derzeit 14 Welterbe-Weinbaulandschaften in ganz Europa angehören. Die Mitgliedschaft beim Verein Danubeparks, einem Zusammenschluss von ca. 20 Naturschutzgebieten entlang der gesamten Donau, bietet die Möglichkeit, das Anliegen der Wachau zur Erhaltung freier Fließstrecken der Donau international koordinieren zu können. Gemeinsam mit dem Land Niederösterreich hat der Arbeitskreis Wachau Regeln entworfen, wie mit Baulanderweiterungen im Welterbe umzugehen ist. Seit 2010 beteiligen wir uns an der Ausarbeitung des Instruments der "Wachauzonen", die den lokalen Baubehörden bessere Möglichkeiten in die Hand geben sollen, die bauliche Entwicklung in den historischen Altortbereichen zu steuern. Und mit dem Ende März 2017 präsentierten Welterbe-Managementplan ist die Grundlage gelegt, um einerseits die erfolgreiche Projektarbeit im Sinne des Welterbes fortzusetzen, in Zukunft aber auch einen zusätzlichen Schwerpunkt in Richtung Welterbevermittlung und -bildung zu setzen.